Interview mit der @schwaebische Zeitung für die Judenbank

https://twitter.com/jassfalg_a/status/544172147174694912
Interview in der Schwäbischen Zeitung

„Anstrengender als ein Fußballspiel“

Schauspieler Joachim Aßfalg steht erstmals in seiner Heimat auf der Bühne – ganz alleine

Ganz allein, aber vielgestaltig auf der Bühne: Joachim Aßfalg spielt in „Die Judenbank“ mit Masken und Charakteren.
Ganz allein, aber vielgestaltig auf der Bühne: Joachim Aßfalg spielt in „Die Judenbank“ mit Masken und Charakteren.

max ott

 
 

Bad Buchau sz Joachim Aßfalg war 22 Jahre alt, als er in seinem Leben einen radikalen Spurwechsel vollzog: Der Fachinformatiker zog von Seekirch nach München, um dort eine Schauspielschule zu besuchen. Mittlerweile steht der 32-Jährige etwa in München oder Schwetzingen auf der Bühne – und bald auch in Bad Buchau. Vor seinem Heimspiel mit dem Ein-Personen-Stück „Die Judenbank“ hat SZ-Redakteurin Annette Grüninger mit Joachim Aßfalg gesprochen.

Aßfalg: Ja, das ist wirklich mein allererster Auftritt hier. Abgesehen von der Fasnet früher oder der Moderation bei der Schlittenparty. Tja, warum erst jetzt? (lacht) Man weiß ja, wie das ist, wenn der Prophet ins eigene Land kommt… Da ist der Anspruch natürlich sehr hoch und dem möchte ich dann auch gerecht werden.

„Die Judenbank“ spielt zur Zeit des Nationalsozialismus und greift die Themen Judenverfolgung und Euthanasie auf. War es eine bewusste Entscheidung, das Stück gerade hier aufzuführen, in Bad Buchau mit seiner jüdischen Vergangenheit und ganz in der Nähe zur Schussenrieder Psychiatrie?

Eine bewusste Entscheidung war das eigentlich nicht. Es war tatsächlich so, dass ich einen Anruf von daheim bekommen habe. Ich bin also eingeladen worden und ich habe natürlich sehr gerne angenommen und auch gesagt, dass ich mich um Sponsoren kümmere. Und da kann ich nur allen die Hand geben: Egal ob Stadt, Federseebank oder die Firma Kessler – alle waren sofort dabei und haben gesagt: „Das unterstützen wir.“
Es ist aber schon so, dass ich mit dem Stück ein großes Anliegen verbinde. Was mich wahnsinnig ärgert, ist, dass bei uns, bald 70 Jahre nach Weltkriegsende, der Rassismus wieder zunimmt – und die Toleranz sinkt. Dass wir eigentlich vergessen haben, wie das damals war. Wenn wir aber die Geschichte vergessen, dann fällt alles. Das Stück vermittelt, dass es wichtig ist, hellhörig zu bleiben, wenn sich da so eine Stimmung entwickelt. Es spielt ja auch in einem Dorf und man begegnet da den verschiedenen Bewohnern, ganz unterschiedlichen Charakteren. (lacht) Das Stück könnte also auch wunderbar in Seekirch spielen.

Trotzdem ist „Die Judenbank“ ja ein Ein-Personen-Stück. Wie schafft man es als Schauspieler, in einem Dauermonolog über das ganze Stück die Spannung zu halten?

Ich werde mich auf jeden Fall sehr gut vorbereiten. (lacht) Aber das wird schlimmer als jedes Fußballspiel, das ist wirklich sehr anstrengend. Auch körperlich. Nach 90 Minuten bin ich da durch. Man muss auch körperlich fit sein und bei der Vorbereitung werde ich auch viel Laufen gehen und Sport machen. Ich, also der Schmeinta, leide da ja in dem Stück an einer Muskelschwäche, das geht in die Knie.

Die Hauptfigur Dominikus Schmeinta ist ein einfältiger Sonderling. Was reizt Sie an der Figur?

Der Schmeinta, das ist jemand, der sich manchmal die Sachen so hinlegt, wie er sich’s denkt und er wähnt sich dann absolut in seinem Recht. An ihm reizt mich einfach, dass er so auf die einfachste Art und Weise etwas entlarven kann, was eigentlich hochkomplex ist. Er stellt so einfache Fragen, dass das Gegenüber erst einmal perplex ist. Und das Publikum denkt dann für sich die richtige Antwort, während der Gefragte ausweicht und die falschen Antworten gibt.

Das Stück stellt große Ansprüche an den Darsteller, aber auch ans Publikum. Es gilt als leises, aber eindringliches, hartes, brutales Stück…

Ja, das stimmt schon. Die Zuschauer müssen da bleiben, müssen dran bleiben und das Stück genau verfolgen. Es ist keine reine Unterhaltung. Aber: Es ist natürlich auch ein bisschen Unterhaltung mit dabei. Es gibt da lustige Dorfbewohner und das Stück bringt auch ein paar Lacher.
Zum Stück:
Mit „Die Judenbank“ steht der Seekircher Joachim Aßfalg Sonntag, 18. Januar, in Bad Buchau auf der Bühne. Beginn ist um 19 Uhr im Bischof-Sproll-Haus. Das Volksstück von Reinhold Massag erzählt von dem einfachen, schwer versehrten und bauernschlauen Dorfbewohner Dominikus Schmeinta, der eines Tages nicht mehr auf seiner Lieblingsbank sitzen darf, weil darauf ein Schild befestigt ist: „Nur für Juden.“
Karten gibt es im Vorverkauf in allen Filialen der Federseebank, in der Tourist-Information Bad Buchau oder online unter www.joachimassfalg.de sowie an der Abendkasse ab 18.30 Uhr.
Weitere Informationen gibt es unter:

www.joachimassfalg.de

 

Schreibe einen Kommentar